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Ironman Brasilien

26052014

Es tut mir leid, dass ich mich erst heute bei Euch melde, um Euch zu berichten wie der Ironman in Brasilien für mich gelaufen ist, doch ich musste erst mal selbst meine Gedanken und Gefühle sortieren.

Ich bin 10. geworden.

Ich hatte eine gute Form und ein sehr gutes Gefühl beim Rennen, doch leider konnte ich nicht wirklich zeigen, wie gut mein Rennen eigentlich war.

Das Windschatten-Fahren, das im Triathlon ja eigentlich verboten ist wurde zum echten Problem in Brasilien und die Wettkampfrichter griffen nicht durch.

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Die Anreise:

Ich habe mich sehr auf diesen Tag gefreut!

Das Training der letzten Wochen lief sehr gut, die ganze Organisation und die Anreise hatten reibungslos funktioniert, auch wenn es in Sao Paulo auf dem Flughafen mal etwas hektisch war!?!

Zwar hatten wir 2 h Zeit zum Umsteigen, doch die erste Stunde war schon in der Schlange vor der Einreise vergangen. Bis wir dann unser Gepäck hatten, einmal durch den halben Flughafen damit gerannt sind, um es dann wieder einzuchecken, war schon längst unser Boarding und wir mussten nochmals durch die Sicherheitskontrolle, die wo wieder in einer endlos langen Warteschlange standen.

Das Ende vom Lied war, dass wir mit 5 anderen Passagieren in einem Kleinbus separat zum Flugzeug gebracht werden sollten, da alle anderen Reisenden schon im Flieger saßen.

Und da begann es erst richtig lustig zu werden, denn unser Busfahrer fragte uns doch allen ernstes, wo wir hin wollten!?

„Zum Flieger nach Florianopolis bitte!“

Also fuhr er los, kreuz und quer auf dem Rollfeld und fragte bei den unterschiedlichsten Flugzeugen, ob dies nun der richtige Flieger sei!?

Das war wirklich verrückt! Letztendlich aber fand er unsere Maschine und sogar unser Gepäck kam mit uns an! Ein Wunder!

 

Die nächsten Tage liefen ab wie immer:

Streckenbesichtigung, etwas Training, Startunterlagen abholen, Wettkampfbesprechung usw. und ruck zuck war er dann auch schon da, der Wettkampftag!

 

Das Rennen:

Wir Profis durften ca. 20 m vor den Altersklassenathleten, die am Strand standen, im hüfttiefen Wasser starten.

Natürlich kamen die Athleten mit solchem Schwung ins Wasser, das sie uns schon nach wenigen Metern überschwommen haben.

Ich versuch mich normalerweise immer aus den Schlägereien weitestgehend herauszuhalten, doch wenn die Masse von hinten kommt und die Flucht nach vorne nicht so schnell möglich ist, dann ist man einfach ganz schnell mittendrin.

Mit meiner Schwimmzeit von 58:25 min war ich in Schlagdistanz nach vorne und voll im Soll. Zwar war ich ca. 1:30 min hinter Sophie Goos, mit der ich schon oft aus dem Wasser gekommen bin, doch ich war froh, als ich wieder „frei“ schwimmen konnte und sah dann leider nirgends mehr andere Profis, die ich an der weißen Bademütze erkannt hätte.

 

Egal, der Tag war noch lang.

Auf dem Rad fühlte ich mich hervorragend. So wie man es sich eigentlich wünscht!

Kraftvoll, kein Brennen in den Beinen, einfach super! Das Training hatte wirklich auf den Tag hin gepasst :-)

 

Die Radstrecke lag mir auch. Mit 570 HM nicht ganz flach, aber auch keine Abfahrten, die angsteinflößend waren ;-)

Leider war die zweispurige Hauptstraße nur zur Hälfte für uns Athleten gesperrt und auf der andern Seite für den Autoverkehr freigegeben. Bei 2000 Athleten war das einfach bedeutend zu eng!!!

Es bildeten sich immer wieder große Rad-Pulks und die meisten Kampfrichter fuhren nur nebenher anstatt zu reagieren!

 

Ich gab mein bestes so fair wie möglich zu fahren, doch als mir mein Mann Jürgen am Abend Videos zeigte, die er von der Strecke gefilmt hatte, fiel ich fast vom Glauben ab.

Ist das der Sport, den wir alle mögen?

Ein Einzelzeitfahren mit Windschattenfahrverbot, das nur auf dem Blatt existiert?

Wenn man in Brasilien ganz vorne dabei sein wollte, dann musste man skrupellos sein, denn andere Athleten, die alleine gefahren sind, wie z.B. Jessie Donavan, die trotzdem die schnellste Radzeit aller Frauen gefahren ist, konnten einfach keine Fabelzeiten mehr im Marathon laufen, da das Rad fahren einfach zu viel Kraft gekostet hat.

 

Ich habe für mich persönlich entschieden ein sauberes und faires Rennen zu absolvieren und bin, wie einige andere Profi-Athletinnen auch, leider damit nicht belohnt sondern eigentlich bestraft worden.

Das klingt jetzt natürlich so, als ob ich händeringend nach Ausreden suchen würde weil es bei mir nicht gelaufen ist, doch dem ist nicht so. 

Nach 4:59 h stieg ich vom Rad. Ein Mal im Leben wollte ich gerne auf 180 km unter der 5 h Schallmauer bleiben. Das ich mir den Traum trotzdem noch erfüllen konnte freut mich riesig, nachdem ich in Cozumel beim Ironman 2 min über 5 h geblieben bin!

 

Ich wechselte trotz dieser schnellen Zeit „nur“ als 10. Frau auf den abschließenden Marathon.

Der erste Teil war ziemlich anspruchsvoll mit steilen Rampen, dafür war der 2. Teil flach und schnell.

Leider bekam ich auf der Laufstrecke Magenprobleme. Ich denke das dies auf das Wasser zurückzuführen ist, welches auf der Radstrecke ausgegeben wurde, da dies zum Teil Leitungswasser war.

 

Nichts desto trotz habe ich mein bestes gegeben und konnte mit stolz die Ziellinie überqueren.

 

Einerseits bin ich glücklich und zufrieden.

Ich konnte eine neue Radbestzeit aufstellen und kam bis auf 2 min an meine Ironmanbestzeit heran.

Andererseits bin ich extrem traurig und enttäuscht.

Wieso lassen die Veranstalter bei den Events immer mehr Athleten zu, wenn sie schon vorher wissen, dass die Radstrecken für so viele Athleten nicht geeignet sind?

Da sind Probleme doch schon vorprogrammiert!

Ich bin seit 20 Jahren Triathletin. Ich konnte mich über all die Jahre kontinuierlich weiterentwickeln, was ein schönes Gefühl ist.

Wenn Athletinnen wie hier in Brasilien innerhalb eines Jahres plötzlich 20 min schneller Rad fahren, dann liegt das vielleicht nicht nur am Training sondern auch, wie im Rennen gefahren wird.

Ich habe mir die letzten Tage sehr viele Gedanken gemacht und meine anfängliche Freude über meine Leistung ist total der Verzweiflung und Frustration gewichen.

Es raubt mir jegliche Motivation und Lust auf Wettkämpfe.

Ich hätte das Rennen in Brasilien auch unter normalen Umständen nicht gewonnen, aber ich wäre mit Sicherheit nicht 10. geworden.

Ein 10. Platz interessiert leider in unserer heutigen Gesellschaft niemanden, darum sind vielleicht auch viele Athleten so leicht dabei auf einen Zug aufzuspringen, wenn er im Rennen vorbeifährt :-(

Ich persönlich finde, das dies unseren Sport verändert und kaputt macht. Leider.

Ehrlich währt am längsten – aber anscheinend nicht mehr im Triathlon.

 

Letztendlich muss ich das Rennen einfach abhacken, was schade ist, da man ja nicht all zu viele Ironman-Rennen pro Jahr auf hohem Niveau absolvieren kann.

Dennoch bin ich froh über meine Entscheidung, denn ich kann stolz auf meine Leistung sein.

 

Es kommen ja noch einige Rennen in diesem Jahr, in denen ich hoffentlich zeigen kann, was wirklich in mir steckt.

 

Herzlichen Dank für Euer Interesse.

Liebe Grüße

Heidi

 

 

© Heidi Sessner 2018