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Ironman Regensburg 2011

27062011

Eigentlich liebe ich die Wärme und die Sonne, doch dieser Sommer hat uns allen ja gezeigt, dass darauf keinen Verlass mehr ist.

 

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Also sammelte ich viele Trainingskilometer bei nass kaltem Wetter (meine Samstags Radgruppe fährt Gott sei Dank ja immer! Tausend Dank an die Trainingsgruppe Herman der TSG!) und wusste, dass dies im Rennen auch kein größeres Problem darstellen sollte.

 

Frohen Mutes fuhren wir also nach Regensburg.

Ich wollte dieses Jahr unbedingt an einem großen deutschen Rennen teilnehmen und dies war also meine Chance.

 

Ich war gesund und fit, wieder gut erholt von meinem letzten Ironman auf Lanzarote und schaute zuversichtlich auf diese Herausforderung.

 

Die Wetterprognosen waren brutal: Starkregen für Sonntag in Regensburg und Temperaturen um die 18 Grad… aber die Bedingungen waren ja für alle gleich...

 

Um 5:30 morgens kamen wir bei Nieselregen am Guggenberger See an. Der Himmel war schwarz und Wolkenbehangen, fast unheimlich.

Doch ich hatte mich schon mental auf dieses Szenario eingestellt und richtete meinen Wechselplatz in Ruhe her.

 

Kurz bevor ich zum Einschwimmen in den See springen wollte teilte mir der Veranstalter mit, dass mir Bayern 3 heute dicht auf den Fersen bleiben wird, da ich als Fränkin interessant für Bayern 3 wäre. Cool, mir sollte es recht sein!

 

Pünktlich um 7 Uhr gings los.

 

 

Laut Veranstalter stürzten sich 2211 Athleten gemeinsam in die Fluten. Unvorstellbar, denn der See ist eigentlich gar nicht so groß ;-)

Von Anfang an fühlte ich mich hellwach und gut. Ich behielt einen guten Überblick und konnte kontrolliert in einer der vorderen Gruppen mitschwimmen. Nils Goerke, sowie Nicole Leder waren mit dabei, also konnte es so schlecht nicht sein, dachte ich mir…

 

Mit einer neuen persönlichen Bestzeit im Schwimmen stieg ich bereits nach 52:56 min als 4. Frau aus dem Wasser.

Trotz Regen waren schon unzählige Zuschauer zu dieser unchristlichen Zeit an der Strecke, um uns Athleten anzufeuern! Einmal mehr wurde mir bewusst, wie toll Triathlon doch ist und wie glücklich ich mich schätzen kann, dies als Beruf auszuüben.

 

Mit einem schnellen Wechsel gings auf die 180 km lange Radstrecke.

Diese hatte ich mir in den Wochen zuvor im Training 2 Mal angesehen, was sich nun bezahlt machte.

Ich wusste genau, wie ich mir die Runde einzuteilen hatte, wo es sich lohnte etwas mehr Kraft zu investieren, bzw. wo ich vorsichtig sein muss und eben auch, wo man gar nicht bremsen muss (Danke Jörn!)

Normalerweise bin ich auf den Abfahrten sehr vorsichtig. Diesmal fing es immer wieder sehr stark zu regnen an. Da ich mit einer Scheibe fuhr und die Bremswirkung bei Nässe auf Carbon eher suboptimal ist, verzichtete ich lieber ganz aufs Bremsen und stellte bei der Abfahrt einen neuen persönlichen Geschwindigkeitsrekord auf: 83,5 km/h! Ich kann es immer noch nicht ganz glauben!

 

Schon auf den ersten 10 km fühlte ich mich super und konnte auf die letztjährige Zweitplatzierte Katja Rabe auffahren.

Wenig später konnte ich die im Vorfeld als haushohe Favoritin gehandelte Amerikanerin Mary Beth Allis überholen, die vor 5 Wochen das schnellste Ironman Debüt aller Zeiten gegeben hat. Laut Papier war sie eigentlich unschlagbar.

 

Ich konnte mein Glück kaum fassen als ich den ca. 15 km langen Berg auf Position 2 in Angriff nahm.

Dort stand auch mein Vater.

Ich rief ihm zu, dass es doch total cool sei, wie es gerade bei mir lief!

Dabei musste selbst der Kampfrichter, der mich auf seinem Motorrad begleitete, lachen.

Doch nicht in meinen kühnsten Träumen hatte ich mir gewagt zu hoffen, dass das Rennen so laufen würde.

Doch ich behielt einen kühlen Kopf (was bei den Temperaturen auch nicht schwer war ;-)) und fuhr kontrolliert weiter.

Nun war nur noch die Niederländerin Miriam Weerd vor mir.

Im Anstieg wurde ich wieder von Katja Rabe überholt. Doch ich wollte nicht überziehen, denn ich wusste, dass das Rennen erst in der zweiten Hälfte entschieden wird, also lies ich sie ziehen…

 

In der Ebene konnte ich wieder bis auf 20 Sekunden an das Führungsduo heranfahren. Ein tolles Gefühl, ein Rennen mitbestimmen zu können!

Bei km 60 bekam ich plötzlich, ohne irgendwelche Vorzeichen Krämpfe in den Adduktoren, den inneren Oberschenkelmuskeln.

Oh nein! Nicht jetzt! Warum überhaupt? Ich war doch so vorsichtig und habe mich so gut verpflegt!

Es half ja alles nicht, ich musste kurz das Tempo etwas herausnehmen und mich noch besser verpflegen.

Ein extra Gel von Energy System musste her. Evtl. doch die Kälte?

Ich versuchte ruhig zu bleiben, war innerlich aber extrem nervös, da ich die anderen Mädels ungern ein weiteres mal ziehen lassen wollte.

Doch ich musste auf mich und meinen Körper hören. Ich konnte nichts erzwingen.

Also fuhr ich den langen Berg zu Beginn der 2. Runde sehr verhalten hoch und danach ging es mir muskulär wieder besser. Gott war ich froh!

Etwa bei Kilometer 150 schoss Marie Beth Ellies wie von der Tarantel gestochen an mir vorbei. So was habe ich bisher noch nicht erlebt. Anfangs wirkte sie so müde und kraftlos und nun war sie schneller unterwegs wie die Polizei erlaubt. Echt Hammer!

In dem Moment kam es mir so vor, als ob ich stehen würde. Doch ich versuchte positiv nach vorne zu schauen und fuhr meinen Rhythmus weiter.

 

Auf den letzten 20 flachen Kilometern konnte ich Katja Rabe wieder einholen und schließlich als 4. Frau vom Rad steigen.

Die Schmerzen auf den ersten Laufmetern waren enorm hoch. Alles tat mir weh und ich konnte mir kaum vorstellen, wie ich jetzt noch den Marathon laufen sollte.

 

Doch Jürgen hat mir vor dem Rennen immer wieder gesagt, dass ich das Rennen nicht als Ganzes sehen soll und immer locker bleiben muss.

Genau mit dieser Strategie ist es mir dann auch gelungen.

Nicht 42 km sondern 4x10,5 km, nur 4 Runden, das schaffe ich schon.

Über die gesamte Runde waren meine Familie und Freunde verteilt. Alle sind extra wegen mir gekommen. Das war unglaublich und sooo viel wert! Immer wieder wurde ich noch vorne gepusht.

Das half enorm viel!

Bei Kilometer 15 konnte ich die Niederländerin überholen und war 3.! Was für ein Gefühl! Nun hatte ich eine MTB-Begleitung und jeder wusste, dass ich die 3. Frau bin! Das gab nochmals zusätzlich Energie.

Auch beim Laufen verpflegte ich mir so optimal wie möglich: alle 5 km ein Energy System Gel mit Koffein sowie 1 Becher Energy Drink an jeder Verpflegungsstation.

 

Ich lief wirklich einen sehr konstanten Marathon, doch meine Beine wurden mit der Zeit immer schwerer. Ich kämpfte, doch die Zuschauer riefen mir zu, dass Nicole Leder von hinten angeflogen käme. „Lauf um dein Leben“ rief mir mein Vater zu. Und ich versuchte alles. Ich kämpfte, doch wie schon vor einem Jahr beim Ironman in China überholte mich Nicole ca. bei Kilometer 35.

Das war’s mit meinem Dirndl, mit meinem Podestplatz, aus der Traum!

Bei einer Top 3 Platzierung hätte Sven Hindel von Wechselszene mir ein Dirndl von seiner Frau Maßschneidern lassen, dass ich dann zu unserer Standesamtlichen Hochzeit angezogen hätte.

Doch nun war ich 4.! So schade!

Nach der ersten Schreckminute versuchte ich mich wieder zu motivieren und weiterzukämpfen.

Wer weiß, vielleicht bricht ja noch eine Athletin vor mir ein „Anything is possible“

Doch leider änderte sich nichts mehr an den Platzierungen.

Schlussendlich konnte ich als 4. Frau die Ziellinie überqueren.

Ich war trotzdem glücklich, hatte ich doch die Gewissheit alles gegeben zu haben und dem Rennen auch meinen Stempel aufgedrückt zu haben.

Es war spannend und 4min auf Rang 2 und nur 2 min auf Rang 3 sind keine Welt.

Als ich ins Ziel kam wurde auch mein Lied gespielt: „Heidi deine Welt sind die Berge!“

Im ersten Moment wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.

Ich war überwältigt von der Stimmung, dem langen und anstrengenden Tag, aber auch überglücklich bei so einem Event dabei sein zu können.

Im Ziel gab ich dann noch ein Statement fürs Fernsehen ab und am Abend konnten wir bei „Blickpunkt Sport“ auf Bayern 3 mein Rennen sehen :-)

Ich werde versuchen, die nächsten Tage einen Sendemitschnitt davon zu bekommen und hier einen Link zu posten.

 

Vielen Dank an meine Familie, Freunde, Trainingspartner, Sponsoren und alle, die mich so toll unterstützt haben! Obwohl Ironman eine Einzelsportart ist, habe ich ein großartiges Team, das mich motiviert und stark macht! Danke!

Bis bald

Heidi

© Heidi Sessner 2018