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Mein erster Ironmansieg :-)

27062012

Es ist gar nicht so einfach, all meine Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen.

Seit 19 Jahren mache ich nun schon Triathlon, am Sonntag stand ich zu meinem bereits 20. Ironman an der Starlinie und nun hat es endlich geklappt!

 

Ich bin eine Ironman Gewinnerin! Das ist so unglaublich!

 
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So oft haben wir darüber gesprochen, davon geträumt, so viele Stunden hart dafür gearbeitet und nun hat es geklappt!

Ein Mal im Leben so einen Ironman gewinnen, das war mein sportlicher Lebenstraum.

Ich bin so glücklich und dankbar, dass ich mir diesen Traum nun erfüllen konnte.

Und es sah die letzten Wochen nicht unbedingt danach aus.

Ohne meinen Mann, meine Familie, meine Freunde und Sponsoren hätte ich das niemals geschafft!

Vielen herzlichen Dank an jeden einzelnen für die Hilfe, die aufbauenden Worte und das ihr an mich geglaubt habt!

Am Anfang meiner Kariere habe ich immer gedacht, wenn man nur konsequent trainiert, dann wird man schon erfolgreich, doch so einfach ist die Rechnung leider nicht.

Trotz optimaler Vorbereitung, gingen bei mir schon des öfteren Dinge schief, sei es ein Platten in einem wichtigen Wettkampf, Schaltzug gerissen, oder auch Verletzungen, die mich sehr viel Zeit und Energie gekostet haben.

Aber vielleicht gehört auch dies einfach zum Leben dazu, damit man den Erfolg dann noch bewusster wahrnimmt und auch genießt.

Doch auch der größte Triumph ist nichts wert, wenn niemand da wäre, der mit einem feiern will.

Und ich kann nur sagen, ich bin absolut überwältigt von der Resonanz meines Sieges.

Ich habe hunderte Nachrichten per Telefon, SMS, Email, Facebook usw. bekommen.

Es ist so schön, wer alles an mich denkt und sich mit uns freut! Das bedeutet mir sehr viel!!!!

Doch nun zum Rennen: Der Ironman Regensburg:

Ich bin immer davon ausgegangen, dass wenn man in Führung liegt und schließlich gewinnt, dass man dann vor lauter Glücksgefühlen und Endorphinen keine Schmerzen mehr spürt.

Doch so ist es nicht.

Ich habe den wohl stärksten Muskelkater meines Lebens, bin körperlich total erledigt aber mental auf Wolke 7!

Die Wassertemperatur des Guggenberger Sees betrug ca. 20 Grad als sich um Punkt 7 Uhr 1200 Athleten in die Fluten stürzten.

Der Massenstart ist nach wie vor zwar sehr spektakulär, aber andererseits auch echt Angst einflößend, da ich schon oft Schläge abbekommen habe und etwas panisch darauf reagiert habe.

Daher schwamm ich lieber ganz am Rand und fand sehr schnell einen super Rhythmus und eine gute Gruppe.

Der See war sehr ruhig, die Bojen zur Orientierung riesig und mein Neo einfach nur fantastisch! Nach 53:22 min stieg ich bereits als 2. Frau aus dem Wasser und konnte durch einen schnellen Wechsel bereits als Gesamtführende aufs Rad wechseln!

Wow! Das lief ja prima!

Die ersten Kilometer waren meine Beine nicht sonderlich toll, doch ich fuhr so gut es eben ging und fand dann auch meinen Rhythmus.

Nach ca. 15 Kilometern fing der lange fast 12 km lange Anstieg nach Brennberg an.

Ich wollte bewusst kontrolliert fahren, um nicht zu viel Energie am Anfang zu verschleudern.

Die ganze Zeit wartete ich eigentlich schon darauf, dass die radstarke Österreicherin Monika Stadelmann von hinten angefahren kam.

Beim Tristar, einem Vorbereitungsrennen, vor 2 Wochen hatte sie eine etwas schnellere Radzeit wie ich.

Und so war es dann auch, am Berg war sie an mir dran, doch komischerweise konnte ich gut mit ihr mitfahren!

Die kompletten 180 km hatte ich einen Kampfrichter bei mir.

Und bestimmt 60 km ein Kameramotorrad J Schon irgendwie cool immer in Begleitung unterwegs zu sein ;-)

Auf dem Rad ging es mir immer besser und die Strecke fand ich schon immer genial.

Sehr abwechslungsreich durch den Bayrischen Wald, wirklich schön!

Es war auch total motivierend, dass fast jeder 2. Mann, der mich überholt hat, mir irgendetwas nettes zugerufen hat. Vielen Dank auch dafür!

Ich achtete sehr genau auf meinen Ernährungsplan, damit ich immer genug Essen und Trinken nachführte.

Was mich etwas irritierte war, dass ich aber immer noch Hunger hatte. Mein Körper verlangte nach wesentlich mehr Energie als gedacht.

Die letzten 3 Wochen vor dem Rennen hatte ich einen leichten Infekt, der evtl. bewirkt hat, dass meine Fettverbrennung nicht mehr so gut funktioniert hat.

Daher aß ich sogar noch zusätzlich eine Banane und ein Gel, trotzdem hatte ich die letzten 20 km nichts mehr zu essen, aber immer mehr Hunger.

Schließlich konnte ich als erste Frau mit 3 Minuten Vorsprung auf den Marathon wechseln.

Unglaublich! Damit hatte ich nicht in meinen kühnsten Träumen gerechnet!

Die ersten Meter waren brutal, alles fühlte sich unrund an, doch schon bald fühlten sich meine Beine wieder ganz ok an.

Begleitet von 2 Motorrädern mit Fotograf und Kameramann, sowie einem MTB Fahrer mit einem Schild ?1. Frau? lief ich durch die Altstadt von Regensburg.

Die Stimmung hier war atemberaubend. Unglaublich viele Zuschauer, die mit Begeisterung und Leidenschaft dabei waren.

Und ich glaube jeder hat meinen Namen gerufen! Was für ein Gefühl!

Die Strecke führte zum Teil auf Kopfsteinpflaster was koordinativ manchmal gar nicht so einfach war nach mittlerweile über 6 h Wettkampfdauer.

Nach 4 km bekam ich plötzlich einen Krampf im Adduktor, der Innenseite des Oberschenkels. Ich musste sofort stehen bleiben und dehnen, ich konnte nicht mehr gehen, der Schmerz war so stark.

Sofort wurde mir bewusst, wie schnell 3 Minuten Vorsprung schmelzen können, wenn das nun öfter passieren würde. Mir wurde ganz Angst und Bang!

Nach ein paar Sekunden versuchte ich wieder weiterzulaufen. Die Muskulatur fühlte sich noch steinhart an, aber es ging.

?Meine? Kameraleute hatten auch auf mich gewartet und alles festgehalten!?

Mein erster Gedanke war, dass dies evtl. wegen Kohlehydratmangel passiert sein könnte. Also nahm ich die nächsten 5 Verpflegungsstellen, also alle 1,7 km ein Gel zu mir. Schon ein gewisses Risiko, da der Magen ja erstmal alles verstoffwechseln musste, aber welche Alternative hatte ich denn?

Mir ging es dann ganz schnell wieder besser und meinem Magen ging es auch weiterhin gut. Phuuuhhh!

Endlich konnte ich auch mal von meiner Erfahrung profitieren!

Meine Gedanken kreisten immer wieder darum, dass dies meine Chance heute ist. Eine Chance, die ich auf jeden Fall nutzen wollte.

Doch 42 km sind echt lang. Sehr lang. Ich habe immer rückwärts gerechnet.

So, nur noch 32 km, das bin ich im Training auch gelaufen, von Assamstadt zum Hollenbacher See und zurück mit Papa als Begleitung, so noch 26 km, so weit wie 2 Mal um den großen Rothsee usw.

Doch nach 2 von 4 Runden kam Nicole Bretting, die mittlerweile auf Rang 2 lag, immer näher an mich ran.

Ich wollte nicht dasselbe dejavu Erlebnis haben wie schon in China oder letztes Jahr hier, als ich bei km 35 noch abgefangen wurde und dann 3. bzw. 4. wurde.

Ich konnte mein Tempo wieder etwas forcieren und den Anstand zu ihr halten. Doch die Angst saß mir natürlich im Nacken.

Besonders gefreut habe ich mich aber über die Anfeuerung und Betreuung meiner Freunde und Trainingspartner. Es war toll, wie euphorisch sie bei der Sache waren! Das hat mich riesig gefreut und nochmals etwas Zusatzenergie freigesetzt.

Beim Laufen hatte ich immer wieder kleinere Schwächephasen und Abschnitte, die richtig gut liefen. Freud und Leid, Hoffnung und Angst lagen immer ganz nah beieinander.

Doch diesmal war ich zu allem bereit und hatte auch das Quäntchen Glück, das man eben im Sport auch immer braucht.

In der letzten von 4 Runden konnte ich meinen Vorsprung sogar wieder etwas ausbauen.

Die letzten Meter waren unbeschreiblich. Ich war so erleichtert, stolz und glücklich!

Es war so schön, als ich Jürgen dann im Ziel gesehen habe. Er hat mich bei allem unterstützt, gemeinsam mit mir an diesem Traum gearbeitet, mir Hoffung gegeben, wenn ich dachte, dass ich nicht gut genug bin, mich gebremst, wenn ich zu viel auf einmal wollte und war einfach immer da für mich.

Das wir dies nun gemeinsam geschafft haben ist umso schöner!

Die nächsten Tage wird jetzt erstmal gefeiert!

So lange habe ich auf diesen Moment gewartet!

Tausend Dank an meine Familie, ohne die ich den Schritt ins Profigeschäft niemals gewagt hätte und die immer alles geben! Meine Freunde, die mich auch mal auf ganz andere Gedanken gebracht haben und last but not least meine Sponsoren, die auch in Zeiten der Verletzung zu mir gehalten und an mich geglaubt haben!

Nur mit Euch war dies möglich!

Danke!

© Heidi Sessner 2018